Umstrittenes Todesurteil

September 22, 2011 Kategorie - Internationales Recht

In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages, respective in den späten Abendstunden Ortszeit des gestrigen Tages, wurde der 42 jährige Troy Davis in den USA durch eine Giftspritze hingerichtet. Nur er wusste in diesem Moment, ob er des Mordes an einem Polizisten vor mehr als 20 Jahren schuldig oder unschuldig war. Selbst wenn er der Täter war, ist der Moment der Hinrichtung ein äußerst grausames Szenario, umso grausamer muss dieser Moment sein, wenn der Deliquent unschuldig ist. Troy Davis hatte bis zum letzten Moment immer seine Unschuld beteuert.

Im Jahre 1989 soll er in der Stadt Savannah im Bundesstaat Georgia den Mord an einem jungen weißen Polizisten begangen haben. Die Tatwaffe wurde allerdings nie gefunden, auch gab es keinerlei andere verwertbare Beweise wie Fingerabdrücke, Blutspuren des Beschuldigten oder DNA-Übereinstimmungen. Mehrere Zeugen, die den Beschuldigten belastet hatten, zogen ihre Aussagen zurück oder änderten diese gravierend ab, da sie unter Druck zustande gekommen sein sollen. Es tauchten andere Zeugen auf, die behaupteten, ein anderer Täter hätte sich zu dem Mord bekannt. Alles dies genügte der Justiz im Staate Georgia nicht, die Vollstreckung des Todesurteils auszusetzen. In den 20 Jahren seiner Haft hatte Troy Davis bereits drei mal vor der Vollstreckung des Todesurteils gestanden, jedoch wurde ihm bisher immer ein Aufschub gewährt, da Zweifel darüber bestanden, ob er den Mord begangen hat. Es gibt keine Hinweise darauf, dass diese Zweifel seitdem beseitigt werden konnten und warum nunmehr das letzte Gnadengesuch abgelehnt wurde.

Eine zusätzliche Brisanz bezieht die nunmerige Vollstreckung der Urteils daraus, dass es sich bei dem Ermordeten um einen Weißen handelte und bei dem Hingerichteten um einen Farbigen. Beide Familien, die des Ermordeten und die von Troy Davis konnten in der zurückliegenden Zeit Anhänger Sowohl für Pro als auch für Contra auf ihrer Seite versammeln. Bis zum Schluss verharrten hunderte von Menschen vor dem Gefängnis, wo sie weinten und beteten. Weltweit sprachen sich berühmte Persönlichkeiten, wie Ex-Präsident Jimmy Carter, Papst Benedikt und der südafrikanische Bischof Desmond Tutu gegen die Vollstreckung des Urteils aus. Auch die EU hatte dagegen interveniert. All diese Aufrufe und Proteste halfen nichts und die US-amerikanische Justiz hat ein weiteres Kapitel ihrer unrühmlichen Geschichte von Schuld und Sühne geschrieben.